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21 August 2021

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Exkurs: Der Ursprung von Design Thinking liegt in den 90er-Jahren

Design Thinking ist als Methode aus dem Arbeitsalltag kaum mehr wegzudenken, wenn es um Ideenentwicklung und die Simulation langer und komplexer Entwicklungsprozesse in kurzer Zeit geht. Darin liegt die Stärke des Design Thinking. Aber wo kommt die Methode eigentlich her? Hat sie jemand erfunden? Hat sie sich entwickelt? Was sind Vor-und Nachteile und was hat es mit Service Design oder Service Design Thinking auf sich? Diesen Fragen gehe ich in diesem Artikel auf den Grund.

Methodischer Ursprung bei IDEO?

Bereits im Jahr 1999 demonstrierte das US-amerikanische Unternehmen IDEO, spezialisiert auf Produktdesign und Produktinnovation, im Rahmen einer Reportage beim Fernsehsender ABC seinen Innovationsprozess.

In nur fünf Tagen erfand ein gemischtes Team aus Spezialisten aus Ingenieuren, Soziologen, Designern usw. den uns allen bekannten Einkaufswagen neu.

Das Team recherchierte, sprach mit Anwendern, mit Supermarktleitern, engte die eigentlichen Bedürfnisse der Supermarktkunden ein, baute zahlreiche Prototypen, von denen der beste überlebte und testeten diesen mit potenziellen Kunden.

Heraus kam ein ungewöhnlicher und innovativer Einkaufswagen mit wohl überlegten Zusatzfunktionen, der äußerst guten Anklang fand.

Was wir hier erleben, ist rückblickend vielleicht eines der ältesten Beispiele für einen recht komplett dokumentierten Design-Thinking-Vorgang.

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Der Begriff Design Thinking wird geboren

Erst Jahre später wurde der Begriff Design Thinking geprägt für solch ein Vorgehen. Es ist allerdings etwas unklar, wer nun genau das Design Thinking erfunden hat.

Es wird entweder den IDEO-Gründern David M. Kelley und Tim Brown oder David M. Kelley, Terry Winograd und Larry Leifer von der Stanford University zugesprochen. David M. Kelley spielte also offensichtlich eine maßgebliche Rolle.

Was genau ist Design Thinking?

Design Thinking is a human-centered approach to innovation. 

- TIM BROWN

Das Zitat von Tim Brown ist die Basis, konkreter ausformuliert kann man sagen:

Design Thinking ist ein Ansatz, der den Menschen ins Zentrum stellt und zum Lösen von Problemen sowie Entwicklung neuer Ideen dient. Er wendet dazu die Werkzeugkiste der Designer an und hat immer das Ziel, Lösungen zu finden, die aus Anwendersicht überzeugend sind.

Design Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn

  • erstens Menschen unterschiedlicher Disziplinen eng zusammenarbeiten,
  • zweitens in einem kreativen Umfeld gemeinsam eine Fragestellung entwickeln,
  • drittens Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen und
  • viertens schließlich Konzepte entwickeln, die mehrfach überprüft werden.

Dieses Verfahren orientiert sich stark an der Arbeit von Designern, denn Design wird landläufig als Kombination von Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen verstanden.

T-Shaped-Profil und Skill-Profil

Darüber hinaus ist eine wesentliche Stärke des Design Thinking, dass es Menschen aus verschiedenen Disziplinen und Hierarchieebenen zusammenbringt. Dadurch kommt es zum Austausch von Fachwissen, Methodenkompetenz und Blickwinkeln. Im Ergebnis wird das Wissen im Team insgesamt breiter.

T-Shaped-Profil Erklärung

I-Shaped-Profil vs. Generalist vs. T-Shaped

Menschen mit einem ausgeprägten T-Shaped-Profil eignen sich besonders für Design Thinking. Nach diesem Modell lässt sich das Skill-Profil eines Mitarbeiters in einem T anordnen:

Dabei steht der vertikale Balken für fachliche Tiefe, also Spezialisierung und Expertenwissen in einem bestimmten Bereich. Der horizontale Balken hingegen repräsentiert eher generalistische Skills. Diese zeigen sich durch Offenheit, Interesse und Neugier gegenüber anderen Disziplinen und Bereichen.

Dem T-Shaped-Profil werden auch daher oft auch das I-Shaped-Profil und der Generalist gegenüber gesetzt.

Die 5 Phasen von Design Thinking

Nach allgemeiner Auffassung kann Design Thinking in fünf verschiedene Phasen unterteilt werden:

Design Thinbking Illustration

Author/Copyright holder: Teo Yu Siang and Interaction Design Foundation. Copyright licence: CC BY-NC-SA 3.0

Phase 1 – Empathize

Zunächst geht es um den Nutzer, für den etwas erschaffen werden soll. Diese Zielgruppe und deren Bedürfnisse vor Ort zu erfassen und zu verstehen. Dazu erfolgt eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung durch Beobachten, Befragen und Interagieren. Ziel ist es, dass das Team zu Experten wird und in den Lebensalltag der Nutzer eintaucht.

Zentrale Fragen: Wer ist mein Nutzer? Was ist ihm wichtig?

Phase 2 – Define

Die gewonnenen Beobachtungen werden dann in einem gemeinsamen Standpunkt kondensiert. Dazu tauschen sich die Teammitglieder aus und diskutieren ihre Erkenntnisse. Alles wird anhand von Visualisierungen geclustert und erste Muster identifiziert. Ziel ist ein gemeinsamer Wissenstand.

Zentrale Frage: Was sind ihre Nutzerbedürfnisse?

Phase 3 – Ideate

Diese Phase ist Kernelement von Design Thinking. Es werden möglichst viele Ideen zur Problemlosung generiert, beispielsweise durch Brainstorming. Anschließend werden die Ideen verdichtet, zusammengefasst und bewertet. Ausgesucht werden letztlich die Ideen, die aus Nutzersicht am attraktivsten erscheinen.

Zentrale Frage: Sind genügend wilde Ideen dabei?

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Phase 4 – Prototype

Die ausgewählten Ideen werden anhand von aufwandsarmen Prototypen ausprobiert (beispielsweise Paper-Prototyping bei digitalen Produkten). Dabei geht es auch darum, die Idee zu verstehen und weiterzuentwickeln.

Zentrale Frage: Wie kann ich meine Idee demonstrieren? Achtung: Ein Prototyp ist nur ein grober Entwurf.

Phase 5 – Test

Abschließend werden die entstandenen Prototypen den möglichen Nutzern vorgestellt und in einem offenen Dialog getestet. Das Feedback zeigt, ob ein Prototyp verworfen werden muss oder Potenzial hat in die Iteration zu gehen.

Zentrale Fragen: Was hat funktioniert? Was nicht?

An dieser Stelle sei angemerkt, dass es abweichende Modellbeschreibungen mit fünf oder sechs Phasen gibt. Im Wesentlichen beschreiben sie aber das gleiche und keine ist falsch.

Ansatz, Methode, Prozess oder Framework?

Und obwohl immer wieder betont wird, dass es sich bei Design Thinking eher um einen Ansatz, ein Framework oder eine Werkzeugkiste handelt, finden sich häufig Prozessbeschreibungen ähnlich zu der oben angeführten. Strenggenommen sind aber die konkreten prozessualen Ausprägungen Methoden wie Service Design und Google Design Sprint,.

Design Thinking vs. Service Design

Um die Verwirrung noch zu komplettieren, werden die Begriffe Design Thinking und Service Design manchmal auch synonym verwendet oder in „Service Design Thinking“ vereint. Das ist aber nicht dramatisch, da das Begriffspaar sehr ähnliches beschreibt.

Gegenüberstellung der Vorteile und Nachteile von Design Thinking

Natürlich gibt es bei allen Vorzügen, die die Methode (das Framework, der Prozess) hat auch Nachteile, die ich im Folgenden einmal den Vorteilen gegenüber stellen will.

Der Fairness halber muss man aber auch sagen, dass es heute schon ausgezeichnete Kollaborations-Tools gibt, die das gemeinsame, kreative Remote-Arbeiten so gut wie voll ermöglichen. Beispiele hierfür sind zum Beispiel Miro und Mural.

Vorteile von Design Thinking

  • Leicht verständlich
    Der Ansatz ist leicht verständlich und schnell erlernbar, muss aber trotzdem gelernt bzw. geschult werden.
  • Kundennutzen im Fokus
    Bedürfnisse, Wünsche und Nöte des Endkunden werden in den Mittelpunkt gestellt.
  • Verschiedene Perspektiven
    Durch multidisziplinäre Teams werden unterschiedliche Perspektiven und Sichtweisen einbezogen.
  • Kunden verstehen
    Durch das Hineinversetzen in den Kunden werden wichtige Erkenntnisse gewonnen.
  • Schnell und kostengünstig
    Erste Lösungsansätze können schnell getestet und dann verworfen oder optimiert werden.
  • Echte Probleme
    Ideenentwicklung findet nicht zum Selbstzweck statt. ES gibt immer den Link zum wirklichen Problem.
  • Skalierbar
    Design Thinking lässt sich im kleinen Rahmen durchführen für den schnellen und ersten, grundlegenden Erkenntnisgewinn.

Nachteile von Design Thinking

  • Keine Ergebnissicherheit
    Es ist nicht absehbar, wie sich eine Problem- bzw. Fragestellung entwickelt und wie sich Prototypen im Test verhalten.
  • Nur für unbekannte Lösungen
    Für die Entwicklung weitgehend bekannter Lösungswegen nicht sinnvoll, da der Ansatz überflüssige Teile enthält.
  • Keine großen Teams
    Moderierte Teams mit einer Größe von fünf bis sieben Personen sind günstig. Für größere Teams weniger geeignet.
  • Co-Location geht nicht
    Vis-a-vis-Zusammenarbeit des gesamten Teams in einem Raum ist Erfolgsfaktor. Anderenfalls muss auf andere Methoden zurückgegriffen werden.

Relevante Bücher im Überblick

Im Folgenden findest du das grundlegende Buch Art of Innovation von Design-Thinking-Legende David M. Kelley (in englischer Sprache). Sowie ein praxisbezogenes Buch zum schnellen Start in einen Design-Thinking-Workshop. Ausführlichere Infos zu den Inhalten gibts wie immer bei Amazon.

Hinweis zu Affiliate-Links: Letzte Aktualisierung am 19.08.2021 / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Über den Autor

Patrick

Hi, mein Name ist Patrick! Wie bei vielen anderen auch hat sich bei mir in den letzten Jahren ein deutlicher Schwenk in Richtung Home-Office ergeben. Die Arbeit zuhause ist salonfähig geworden, bietet aber auch Tücken und Fallstricke. Auf BüroNinja geht es deshalb darum, wie du zuhause im Home-Office am besten klarkommen kannst und wie du deine Arbeit leichter, effizienter, gesünder und ausgeglichener gestalten kannst. Viel Spaß!

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